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Pfade der Divination

08/06/2010, Autor: Amanita-Fee

 

 

Einleitung

Bekanntlich gibt es viele Wege nach Rom. Ebenso verhält es sich bei der Divination. Es gibt viele Pfade, die man beschreiten kann, um zu einer Divination zu gelangen. Verschiedene Wahrnehmungskanäle, verschiedene Bewusstseinszustände und letztendlich wäre da auch noch die Frage, wie viel Kontrolle das Medium hat. Also inwieweit ein Medium Einfluss auf 1. das Eintreten, 2. das Thema und 3. das Beenden einer Divination hat.

 

 

Natürliche und praktizierende Medien

Im Prinzip hat jeder Mensch die Vorraussetzung für mediale Wahrnehmungen. Dennoch unterscheide ich grob zwei Gruppen:

 

  1. Menschen, die ohne eigenes Zutun Visionen empfangen oder über eine besondere Art der Wahrnehmung (zum Beispiel Hellfühlen) verfügen. Für diese Menschen steht meist im Vordergrund, erst einmal mit dem, was kommt, klar zu kommen. Später geht es dann darum, die Wahrnehmungen zu präzisieren. Dabei kann unter anderem die Beschäftigung mit dazu passenden Orakelmethoden helfen. Ist dies geschafft, besteht eventuell noch Interesse, sich mit anderen Arten der Divination zu beschäftigen und sich dadurch weitere natürliche Zugänge zu eröffnen. Menschen, welche dieser 1. Gruppe angehören, nenne ich im weiteren Verlauf „natürliche Medien“.
  2. An der Divination interessierte Menschen, die völlig unbedarft beginnen, sich mit verschiedenen Orakeln zu beschäftigen. Im Laufe der Zeit können sich auch bei diesen Menschen nicht selbst initiierte mediale Wahrnehmungen und Visionen einstellen. Dies sollte jedem, der mit der Divination beginnt, bewusst sein: Ein Medium hat nicht immer die Kontrolle. Und Visionen scheren sich nicht darum, ob man gerade im Büro sitzt und sich mit seinem Chef unterhält oder ob man gerade private Probleme hat und eh schon auf dem Zahnfleisch geht. Visionen können zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten auftreten und lassen sich nur schwer unterdrücken. Doch im Gegensatz zu den natürlichen Medien, eröffnet sich bei dieser Gruppe ein natürlicher Zugang meist Schritt für Schritt mit dem regelmäßigen Praktizieren. Es ist eher ein sanfter Einstieg, bei dem einem die Zeit bleibt, sich an mediale Wahrnehmungen zu gewöhnen. Es ist so gesehen der schönere Weg. Menschen, welche dieser 2. Gruppe angehören, nenne ich im weiteren Verlauf „praktizierende Medien“.

 

Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen natürlichen und praktizierenden Medien. Viele natürliche Medien beginnen mit verschiedenen Orakeltechniken oder eigenen Methoden auch willentlich Divination zu betreiben. Und bei den praktizierenden Medien öffnen sich mit der Zeit die natürlichen Zugänge zur Divination.

 

Zunächst bliebe jedoch festzuhalten, dass sich natürliche und praktizierende Medien der Divination aus zwei völlig verschiedenen Richtungen nähern. Eine Wegbeschreibung, welche beiden Gruppen gerecht wird, ist somit ein Ding der Unmöglichkeit. Ich versuche mich stattdessen an einer Art Landkarte, mit den verschiedenen Pfaden durchs Reich der Divination. Sie möge Menschen, die sich mit der Divination befassen als Orientierungs- und Entscheidungshilfe bei der Wahl des eigenen Weges dienen.

 

 

Natürliche und künstliche Divination

Bereits in früheren Zeiten versuchte sich Platon an einer Einteilung der mantischen Verfahren. Cicero schrieb darüber später in De divinatione: „Es gibt zwei Arten von Divination. Die eine beruht auf der Kunst, die andere auf der Natur.“

Zur künstlichen Divination zählte Cicero Verfahren wie die Deutung von Tiergedärmen, Naturereignissen, die Vorhersagen von Auguren (Vogelflug) und Astrologen (Sterne).

Zur natürlichen Divination zählte er dagegen Träume und Wahrsagungen (Visionen), welche angeblich unmittelbar aus der Natur stammten.

 

Diese Form der Einteilung findet sich über die Zeiten in den unterschiedlichsten Kulturen. Auch in Europa findet sie sich in kaum veränderter Form wieder. Georges Contenau sprach 1940 von der intuitiv-deduktiven und der induktiven Divination. Die Encyclopaedia Britannica gliedert die Divination in interne und externe Methoden. Auch wenn neue Bezeichnungen gefunden wurden, so blieben die Kategorien bis auf geringe Abweichungen doch dieselben.

 

 

Landkarte der Divination

Es gestaltet sich schwierig, eine klare Grenze zwischen natürlicher und künstlicher Divination zu ziehen. Die Übergänge sind fließend. Ich habe mich daher dazu entschlossen, die mantischen Verfahren in 6 Hauptgruppen zu gliedern und von der rein natürlichen zur rein künstlichen Divination zu ordnen. Dabei gilt: Je künstlicher die Divinationsform, desto mehr Einfluss hat das Medium auf 1. das Eintreten, 2. das Thema und 3. das Beenden einer Divination.

 

  • Prophetie/ Visionen
  • Mediale Wahrnehmungskanäle
  • Divination in anderen Bewusstseinzuständen (Halluzinatorische Divination, Meditative Divination, Hypnoide Divination)
  • Mathematische Divination
  • Beobachtungsweissagung
  • Abakomantische Systeme (d.h. aus Überlieferung)

 

Die verschiedenen Wahrnehmungskanäle - zum Beispiel Hellfühlen - fallen dabei ein wenig aus der Reihe. Erfahrene Medien können ihre Fähigkeiten sehr wohl gezielt einsetzen. Da es in der Regel jedoch lange Zeit braucht und viel Übung benötigt, habe ich sie direkt nach den Visionen einsortiert.

 

Auch habe ich die Divination in anderen Bewusstseinszuständen mit einer eigenen Hauptgruppe bedacht, um besser auf die jeweiligen Unterschiede eingehen zu können. Zur Einflussmöglichkeit des Mediums lässt sich folgendes sagen: Die Entscheidung, sich zum Beispiel in einen halluzinatorischen Bewusstseinszustand zu begeben, erfolgt meist willentlich. Doch das Thema der Divination und deren Ende lassen sich dabei nur bedingt beeinflussen.

 

 

Das Bild von der Landkarte

Die Landkarte ist bildlich zu verstehen. Hier und da überkreuzen sich die verschiedenen Divinations-Pfade. Wer zum Beispiel über Kenntnisse in der Nummerologie oder der Astrologie (Mathematische Divinationen) verfügt, kann dieses Wissen nutzen, wenn er sich mit der Symbolsprache des Crowley Tarot vertraut machen will. Denn Tarot ist gleichermaßen ein Abakomantisches System, ein Hilfsmittel bei der Divination in anderen Bewusstseinszuständen sowie ein Werkzeug zur Mathematischen Divination. Solche Wegkreuzungen gibt es in der Divination viele. Und wie im alltäglichen Leben so macht es auch bei der Divination Sinn, auf Bekanntem aufzubauen und nicht immer wieder bei Null anzufangen. Oder, um beim Bild mit der Landkarte zu bleiben: Die Region, in der ich mich gerade befinde, lässt manche Dinge leichter erreichen als andere.

 

 

Schlusswort

Aus dem vorangegangenen wird vielleicht ersichtlich, wie komplex das Gebiet der Divination ist und das verschiedene Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ich habe mich bemüht, möglichst verständlich zu schreiben. Dennoch kam ich um viele Fachbegriffe nicht herum. Die meisten davon erklären sich später in den jeweiligen Haupt- und ihren Unterkategorien.

Gerade bei den Mischformen von natürlicher und künstlicher Divination können verschiedene Herangehensweisen für natürliche und praktizierende Medien sinnvoll sein. Wo ich kann, werde ich explizit darauf eingehen. Auch beabsichtige ich, noch einen Glossar zu schreiben, in dem alle Fachbegriffe aufgeführt sind. Nun kann ich nur um Verständnis bitten, dass ich eben noch beim Aufbau bin.